Kunst leben – Videograph, Photograph und Musiker Thomas über das Miteinander in der Kunstszene

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Thomas Köller ist als Videograph, Photograph und Musiker künstlerisch breit aufgestellt. Vor kurzem hat er sich damit selbstständig gemacht und engagiert sich zudem für den künstlerischen Aufbau seiner Heimatstadt Bottrop. Junge und moderne Kunst soll seine Heimatstadt zu einem Anlaufpunkt für Künstler, Kunstinteressierte und Neugierige machen.

In welchen Bereichen bist du künstlerisch tätig? Welche Schwerpunkte setzt du?

Hauptsächlich in den Bereichen Photo-/Videografie und Musik. Allerdings versuche ich mich in letzter Zeit auch an anderen Sachen. So habe ich beispielsweise damit begonnen, Lampen zu bauen. Bei den anderen Projekten lasse ich mich aber stets von Materialien oder Formen der Photografie und Musik inspirieren.

Wie kam es dazu, dass du dich entschlossen hast, dich selbstständig zu machen?

So ganz genau kann ich das gar nicht sagen! Letztendlich habe ich mit diesem Gedanken in den vergangenen Jahren aber schon öfter gespielt und irgendwann dachte ich mir halt: jetzt oder nie. Und daraus wurde dann „jetzt“!

Es haben mich in meinem alten Job aber natürlich auch einige Sachen gestört.

Gibt es Dinge in deinem Leben, die du als maßgeblich für deine jetzige Lebenssituation und für deine Lebensentscheidungen ansehen würdest? Was hat dich dazu motiviert einen anderen Lebensweg einzuschlagen?

Puh, in erster Linie vermutlich das älter werden. Ich dachte mir, wenn nicht jetzt, wann dann? Umso älter man wird, desto schwieriger stelle ich es mir vor. Gerade auch wenn man merken sollte, dass es doch nicht das Richtige ist oder die Sache leider doch nicht so gut, wie erwartet, läuft. Denn dann müsste man sich schnell wieder etwas anderes überlegen können.

Wie hast du eigentlich zur Photografie gefunden? War es schwierig sie mit deiner Berufstätigkeit zu vereinbaren?

Ich photographiere seit meiner Kindheit – damals noch mit der analogen Spiegelreflexkamera meines Vater. Diese war dann jedoch nach ein paar Jahren leider kaputt. Daraufhin kaufte ich mir dann eine moderne, analoge Kamera mit Autofokus und Automatik. Mit dieser machte mir das Photografieren allerdings schnell keinen Spaß mehr, so dass ich es erstmal für ein paar Jahre an den Nagel hing. Vor ca. 10 Jahren holte ich mir dann meine erste vernünftige Digitalkamera und von da an war das Feuer neu entflammt. Man hat halt ganz andere Möglichkeiten und vieles ist einfacher. Dennoch liebe ich es analog zu photografieren. Man konzentriert sich teilweise mehr auf das Wesentliche und das Arbeiten in der Dunkelkammer ist auch ein interessanter Aspekt.

Wirklich schwierig war es zum Glück nicht. Allerdings hatte ich nebenberuflich teilweise nicht das Gefühl damit wirklich Ernst genommen zu werden.

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Du bist relativ breit aufgestellt bezüglich deiner künstlerischen Interessen. Ist dir das wichtig?

Ich kann gar nicht genau sagen, ob es mir persönlich so wichtig ist. Wenn mich jedoch etwas interessiert, tut es das meist auch in so gut wie allen Bereichen. Und da mittlerweile ja quasi jede Photokamera auch filmen kann, ergab sich das einfach. Erst war es nur ein ausprobieren und nun gibt es sogar Momente, die ich lieber filme. Ich denke aber schon, dass man in der heutigen Zeit schon Vorteile hat, wenn man ein wenig mehr bieten kann. Handelt es sich dabei allerdings um Bereiche die ich zwar kann, aber jemanden weiß, der darin viel besser ist, verweise ich dann lieber an meinen Kollegen. Ich kann diese ständigen Konkurrenzgedanken vieler Kollegen nicht so ganz verstehen. Wäre es doch für alle so viel einfacher, wenn man es als Vorteil nutzen würde und sich untereinander mehr vernetzen und unterstützen.

Welche Künstler inspirieren dich zu deinen Projekten? Wonach wählst du Projekte aus bzw. woher nimmst du die Inspiration für deine Projekte?

Das ist schwer zu sagen. Ich kenne mich mit Kunst an sich ehrlich gesagt gar nicht so gut aus. Dennoch gibt es natürlich einige Künstler, deren Werke mir sehr gut gefallen. Inspiration hole ich mir aber eher durchs Leben an sich. Manchmal gibt es diese kuriosen Momente, die einem hängen bleiben und zu neuer Kreativität verhelfen. Ansonsten findet man im Internet ja auch immer einiges.

Muss Kunst deiner Meinung nach eine Aussage haben? Sollte sie genutzt werden, um gesellschaftliche, politische und andere Missstände zu thematisieren?

Es kommt drauf an. Irgendwas denkt sich der Künstler ja schon dabei. Ob das jetzt aber unbedingt immer tiefgründig sein muss, sollte dem Künstler überlassen sein. Kunst lässt sich aber sicherlich gut dazu nutzen um auf Missstände hinzuweisen. Generell habe ich damit auch kein Problem, finde es eigentlich sogar auch ganz gut. Jedoch nur dann, wenn sie nicht missbraucht wird und dem Konsumenten nur plump eine Meinung aufdrücken will.

Sollte Kunst frei sein oder kommerziell betrieben werden? Diese Frage stellen sich viele Hobbykünstler, bevor sie sich hauptberuflich oder eben nicht für die Kunst entscheiden. Schränkt es ein, hauptberuflich Künstler zu sein?

Ich bin dafür, dass Kunst frei sein sollte und für jedermann zugänglich. Wenn nur eine bestimmte Gruppe Zugang dazu hätte, würde ja genau das Gegenteil passieren, wozu sie meiner Meinung nach da ist: Kunst verbindet und sollte auf keinen Fall zu einer Trennung führen. Jedoch muss ein Künstler ja auch leben können und das ist in der Tat schwierig. In anderen Ländern wird Kunst mehr gefördert und Künstler erhalten viel mehr Unterstützung. So muss man sich als Künstler bei uns auch vermarkten können. Man ist quasi ein Unternehmer und muss lernen so zu handeln.

Das klingt jetzt sicherlich ein wenig widersprüchlich. Aber ich denke, viele Leute müssen für die Kunst noch ein wenig sensibilisiert werden. Da gibt es dieses alte Bild: Die Werke von Künstlern erlangen erst nach deren Tod an unschätzbarem Wert und landen dann bei irgendwelchen Kunstsammlern oder Museen hinter dickem Glas. Und dann gibt es noch diese Tendenz bei Musik oder Filmen: Jeder möchte immer alles und zu jeder Zeit abrufbar haben, aber nichts dafür zahlen. Da muss man als Künstler wieder kreativ werden und sich Wege überlegen, um über die Runden zu kommen. Wie ich mitbekomme, ist dieses Bewusstsein bei vielen Menschen aber schon da. Zumindest was ich hier so lokal passiert. Aber manchmal funktioniert es vielleicht besser, den Konsumenten selbst entscheiden zu lassen, was ein bestimmtes Kunstwerk wert ist, anstatt ein großes Preisschild aufzustellen. Damit könnte man dem Konsumenten einen größeren Handlungsspielraum einräumen und die Kunst insgesamt freier zugänglich machen.

 

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Welche gesellschaftlichen Entwicklungen beschäftigen dich besonders? Welche Werte sind für dich wichtig? Was versuchst du in deinen Lebensalltag zu integrieren?

Momentan ist auf dem ganzen Globus ja wieder gut was los! Ich versuche eigentlich mich nicht von allen Ereignissen groß beeinflussen zu lassen. Aber man sollte sich natürlich auch nicht vor allen Sachen verschließen oder so tun als hätte man es nicht mitbekommen. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt wie es in der Zukunft in Amerika weitergeht. Und natürlich auch hier in Europa. Da wäre ja nicht nur die Flüchtlings“krise“, sondern auch der Brexit, ein sogenannter Herr Erdogan, … Man bekommt mit, dass sich die Gesellschaft in einem Umbruch oder zumindest in einem Umdenken befindet. Das ist auch vollkommen normal, wie die Vergangenheit ja zeigt. Der Mensch kann nicht mit Stillstand. Und das ist ja auch gut so. Nur mittlerweile geht alles immer schneller. Und irgendwann holt es sich selber ein. Ich hoffe nur, dass die Menschheit doch aus dem letzten Jahrhundert wenigstens ein klein wenig gelernt hat.

Ich für meinen Teil versuche auf jeden Fall erstmal offen zu sein und mir nicht vorschnell eine Meinung zu bilden, bzw. mir sogar eine gemacht Meinung auftischen zu lassen, weil es ja auch viel einfacher wäre. Dingen erstmal kritisch gegenüberzustehen halte ich nicht für verkehrt. Aber vieles sollte sich doch eigentlich auch durch ein gewisses Maß an gesundem Menschenverstand von selbst verstehen.

Welche Änderung wünschst du dir für die Gesellschaft? Und welche Dinge laufen deiner Meinung nach bereits richtig gut?

Wie gerade erwähnt denke ich, dass bei vielen bereits ein Umdenken stattfindet. Was ich mir jedoch wünschen würde, wäre eine etwas offenere Sichtweise. Ein schönes Beispiel sind viele junge Unternehmen, die ja z. B. gar nicht mehr auf so eine straffe Hierarchie setzen und die Mitarbeiter Mitspracherecht erhalten. Auch die familiäre Situation wird viel mehr berücksichtigt, so dass  Kinder nicht den ganzen Tag über irgendwo abgeliefert werden müssen, womit man quasi die ganze Verantwortung abgibt und nur abends nochmal kurz Gute Nacht sagt. So etwas finde ich super! Denn man verbringt so viel Zeit auf der Arbeit und da sollte diese Zeit doch wenigstens auch Spaß machen und keine Qual sein. Die Leute werden dann doch automatisch entspannter und das wirkt sich unmittelbar auf den Alltag und das Miteinander aus.

Zum Abschluss würde es mich freuen, wenn du noch etwas darüber erzählen könntest, welche ethischen Werte du vertrittst und welche du für besonders relevant hälst.

Definitiv Ehrlichkeit. Und Respekt. Freiheit. Leben und leben lassen. Selbstverständlich auch Kreativität. Ich könnte hier jetzt noch weitaus mehr zu schreiben, aber ich denke, man kann sehen in welche Richtung das geht…

 

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